Suche nach bilingualen Fachkräften in russischen sozialen Netzwerken

Die zunehmende internationale Präsenz russischer Unternehmen und die immer enger werdenden Beziehungen zwischen der deutschen und der russischen Wirtschaft veranlassen uns dazu, die kaum bewußt wahrgenommene Gruppe der russischsprachigen Fachkräfte in Deutschland zu thematisieren.
“Young Professionals, die einen bedeutenden Teil ihres Lebens hier verbracht haben, die deutsche Sprache perfekt beherrschen, über eine gute berufliche und/oder universitäre Ausbildung verfügen und sich flexibel zwischen zwei Kulturkreisen bewegen (können).”
So oder ähnlich lautet das Anforderungsprofil unserer Kunden bei der Suche nach bilingualen Fachkräften für Schnittstellenpositionen z.B im Logistik- und Exportbereich. Aber wo findet man sie?
Wie wir in unserem Artikel zum Facebook-Einstieg von Yuri Milner bereits erwähnt haben, existieren heute zwei große russische soziale Netzwerke mit weltweit jeweils ca. 35 Mio. Nutzern und in beiden findet man in Deutschland lebende Russen.
Odnoklassniki.ru (“Klassenkameraden”) ist mit 1,16 Mio. Nutzern aus Deutschland ganz klar das beliebteste Netzwerk hierzulande. Die Personalsuche ist hier sehr schwer. Da bisher leider keine englischsprachige Version zur Verfügung steht, sind hausinterne Russischkenntnisse unbedingt notwendig. Aber selbst mit Russischkenntnissen kann man das Fachkräftepotential der Nutzerbasis auf Anhieb nur schwer erschließen.
Das sehr schwache interne Suchsystem ermöglicht lediglich die Suche nach bekannten Namen in Kombination mit der Stadt, dem Land und dem Alter. Es gibt keine Möglichkeit, direkt nach berufsbezogenen Daten zu suchen. Die Profile werden auch nicht von Websuchmaschinen erfasst, was eine externe Suche ausschließt. Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass in den Profilen selten Angaben zum Beruf gemacht werden.
Als nützlich erweist sich dagegen die Möglichkeit über “Interessengemeinschaften” nach Personen zu suchen. Dabei handelt es sich um Listen von Nutzern, die die selben Schulen, Berufsschulen, Universitäten sowie aktuelle und/ oder ehemalige Arbeitgeber teilen oder geteilt haben.
Für Personalsuchende bietet sich hier die Gelegenheit, anhand von Firmennamen und Ausbildungsstätten interessante Kandidaten ausfindig zu machen.
Vkontakte.ru (“In Kontakt (bleiben)”) hat weltweit genau so viele Nutzer wie Odnoklassniki. Die Popularität in Deutschland ist mit 107.000 Nutzern im Vergleich relativ gering. Der Vorteil von Vkontakte ist die englische Sprachversion, die das Netzwerk für Nutzer ohne Russischkenntnisse zugänglich macht. Die Benutzer-Oberfläche ähnelt darüber hinaus fast zu 100% Facebook. Die Nutzung ist daher intuitiver, als das bei Odnoklassniki der Fall ist.
Bei Vkontakte werden tendenziell mehr berufsbezogene Angaben gemacht. Die Profile enthalten neben den Bildungseinrichtungen samt Ausbildungs-Schwerpunkten sowie aktuellen und ehemaligen Arbeitgebern auch aktuelle und frühere Berufsbezeichnungen bzw. Positionen. In Kombination mit dem starken internen Suchsystem wird Vkontakte zu einer interessanten Quelle (externes Durchsuchen ist nicht möglich). Die deutschlandweite Suche nach SAP Fachleuten führt zu immer hin ca. 20 russischsprachigen Kandidaten.
Leider wurde das Suchsystem von Vkontakte noch nicht ins Englische übersetzt. Um den Funktionsumfang voll ausnutzen zu können, sind zumindest grundlegende Russischkenntnisse nötig.
Experimentierfreudige können jedoch mit Hilfe von URL-Suchabfragen an die Datenbank erste Gehversuche ohne Sprachkenntnisse unternehmen. Dazu ein Beispiel:
http://vkontakte.ru/gsearch.php?section=people#c[city]=&c[company]=&c[country]=65&c[position]=SAP&c[section]=people
Geben Sie nach der Anmeldung bei Vkontakte.ru diese URL ein, um eine Suche nach SAPlern in Deutschland durchzuführen.
Fazit:
Odnoklassniki.ru und Vkontakte.ru vereinen mehr als 1,2 Mio. Nutzer aus Deutschland. Trotz Sprachbarrieren sowie einigen Eigenheiten und Unzulänglichkeiten im Bereich der Suche sind beide Netzwerke interessante und nutzbare Quellen für bilinguale Fachkräfte.





Das stimmt das Odnoklassniki, zumindest in Deutschland, beliebter ist und da sind noch sicherlich viele Studenten und andere Roh-Diamanten zu finden. Beide Netzwerke sind jedoch keine Business Netzwerke wie Xing. Aber könnte Xing nicht nach russischsprachigen Hochqualifizierten selektiert werden? Oder evtl. könnte doch eine Gruppe in Odnoklassniki bzw. Vkontake gegründet werden wie “… sucht Russenversteher”, um von den Interessenten gefunden werden, statt zu suchen. Aber, ehrlich gesagt, habe ich nicht unbedingt das Gefühl, das Russischkenntnisse für die Unternehmen eine große Rolle spielen, zumindest spiegelt sich das nicht in den Anzeigen wieder. Ein charismatischer und kultursensibler nicht-Muttersprachler wird auch in Russland gut zu Recht kommen.
Hallo Norbert,
nun, zunächst muss ich unterstreichen, dass in den besagten Netzwerken nicht nur Rohdiamanten vertreten sind. Man findet dort Spezialisten, Absolventen usw. Das liegt daran, dass es im russischsprachigen Raum bzw. für russischsprachige Menschen keine ähnlich populären Busienss-Netzwerke, wie Xing oder Linked, gibt. Also tummeln sich alle in den wenigen richtig großen (Freizeit-) Netzwerken. Du hast Recht, natürlich gibt es russischsprachige Nutzer bei Xing oder LinkedIn.Deren Zahl fällt im vergleich jedoch nicht wirklich hoch aus. Wir schlagen vor, Odnoklassniki und Vkontakte als eine zusätzliche Quelle zu betrachten. Eine Gruppe zu gründen, kann unter Umständen Sinn machen. Allerdings bekommt man so kaum Kandidaten, die nicht aktiv suchen. Will man Kräfte gezielt abwerben, muss man schon selbst aktiv werden. Russischsprachige Kräfte sind sichrelich nicht für jedes Unternehmen interassant. Nehmen wir jedoch als ein einfaches Beispiel die Logistikbranche. In den GUS Dispositionsabteilungen von Speditionsfirmen wirst Du überwiegend Muttersprachler vorfinden. Ein nicht Muttersprachler, kultursensibel oder nicht, wird z.B. arge Probleme bekommen, wenn ein LKW aus Deutschland an der russischen Grenze festgehalten wird. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass deutsche Firmen auch jenseits von Logistik und Export, die Filialen in Russland unterhalten, inzwischen auch sehr gerne Muttersprachler dahin schicken.
Das stimmt natürlich für die Fahrer von Speditionsunternehmen bzw. Import/Exporteure. Aber wie selektiert man die Höherqualifizierten, die für Schlüsselpositionen im Vertriebsmanagement oder für Unternehmen mit russischen Eignern (z.B. Escada)gesucht werden?
Dafür würde man in Deutschland wahrscheinlich nur mittels mühsamen Headhuntings, Durchforstens von Internet-Communities und über persönliche Netzwerke fündig werden. Vielleicht sind diese Stellen deswegen mit überwiegend Nicht-Muttersprachlern besetzt.
Der Einsatz von bilingualen Fachkräften, die sich in beiden Welten zu Hause fühlen, birgt m.E.noch großes Potential für die deutschen Unternehmen, um in Russland/GUS Fuß zu fassen. Schließlich ist es bis jetzt nur wenigen wirklich gelungen.
Mit meinem Beispiel meinte ich eher Disponenten. Bei Höherqualifizierten ist es im Fall von “Vkontakte” relativ einfach. Wie im Artikel erwähnt, kann man die Profile nach Berufen/Positionen durchsuchen. Bei “Odnoklassniki” muss man schon etwas mehr Detektivarbeit leisten. Eine Kombination aus aktuellem Arbeiteber und besuchten Bildungseinrichtungen kann interessante Hinweise auf die Funktion ergeben. Danach kann man etweder weiter recherchieren oder versuchen, Kontakt aufzunehmen. Dafür ist die Zahl der interessanten Nutzer bei “Odnoklassniki” wesentlich höher.
Die Nutzerstruktur der in Deutschland lebender vkontakte/odnoklassniki Nutzer ist etwas unterschiedlich. Zwar gewinnt odnoklassniki klar was Menge angeht, jedoch verfügen die Nutzer von vkontakte in der Regel über höhere Bildung etc. Nicht zuletzt weil odnoklassniki als eine der Hauptfeatures das gegenseitige Bewerten von Fotos hat. Dadurch zieht diese Site stärker die Nutzer von Flirt-Portalen an.
Eine interessante Entwicklung von vkontakte – Machern ist vshtate.ru – eine Web 2.0 Jobbörse mit einer Schnittstelle zu vkontakte.ru.
Mehr darüber: http://elleo.rugolok.de/multi-kulti/social-network-als-basis-fuer-eine-jobboerse/
@Leo Vielen Dank für diesen Kommentar. Vshtate.ru kannte ich nicht. Ich werde es mir genauer ansehen.
Grüße aus HH
Habe mir soeben diesen Artikel durchgelesen. Habe russisch als Muttersprache. Schreibe momentan meine Diplomarbeit und bin auch demnächst fertig. Suche gerade nach interessanten Jobangeboten im Internet in den nach russisch sprechenden Absolventen gesucht wird. Leider gestaltet sich die Suche als sehr schwierig. Das es hier ein Personalberater Blog ist wollte ich mal nachfragen ob ihr mir nicht ein paar Tipps geben könnt? Habe Betriebswirtschaft studiert, meine Fachhochschulreife in Wirtschaftsinformatik gemacht.
Bin dankbar für jeden Tipp.
Gruß
Dima
Hallo Dima. Das stimmt. Anzeigen in diesem Bereich sind zur Zeit selten.
Vorschlag: halte Ausschau nach Firmen, die mit Russland zu tun haben und sprich sie initiativ an. Eine gute Anlaufstelle sind für den Anfang z.B. die Unternehmensdatenbanken der Handelskammern. Hier die Datenbank der Hamburger HK mit (http://kl.am/2K1E). Und hier ein kleines Video, wie man das Suchsystem der HK dazu einsetzt (http://kl.am/2K24). Du wirst fesstellen, dass es eine ganze Menge Firmen mit Bezug zu Russland gibt, von denen Du noch nie irgendwas gehört hast.
Allgemeine Tipps zum Thema Jobsuche findest hier: http://www.personalberater-blog.de/stellensuche-im-internet/
Viel Erfolg!
Vielen Dank. Werde so vorgehen wie bis jetzt, nach Unternehmen schauen die mit Russland zusammen arbeiten. Werde auch hier vorbei schauen, in der Hoffnung das sich mal was neues in diesem Bereich findet.
Danke noch mal
Gruß
Hallo Alexander,
ich wende mich an dich, da ich mich für eine Laufbahn/einen Beruf interessiere, die/der bilinguale Fähigkeiten voraussetzt. Ich bin gebürtiger Russe, spreche demnach auch Russisch. Ebenso bin ich sehr gut in der deutschen Sprache.
Nun mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich in diese Richtung kommen kann. Durch Praktikas? Bewerbungen?
Welche Fähigkeiten und Berufe werden gesucht?
Gelernt habe ich einen Logistikberuf, möchte den aber nicht weiter ausüben und mache deshalb nun meine Fachhochschulreife.
Kommen übrigens auch, mehr oder weniger, aus Hamburg. (Umland)
Bin für jeden Tipp und jede Hilfe dankbar! (auch gerne per E-Mail)
Gruß
Slawa
Meinte natürlich “Komme[...]” und nicht “Kommen[...]“.
@Slawa Im ersten Schritt solltest Du Dir genau überlegen, was Du machen willst. Davon hängt die weitere Vorgehensweise ab. Wenn Du Dich auf einen Beruf/Bereich festgelegt hast, kannst Du nach Unternehmen Ausschau halten, die mit Russland zu tun haben und Dich dort bewerben.
Hallo Alexander,
leider ist es ja genau die Frage, die ich selbst nicht beantworten kann. Es gibt unzählige Möglichkeiten und Richtungen, aber keine exakte. Wo sind denn solche Kenntnisse am meisten gefragt? Im Internationalen Handel? Banken? Spedition?
Ein “bisschen” wird ja überall gebraucht, ich möchte aber einen Beruf, der darauf ansetzt. (Übersetzer ist für mich jedoch nichts)
Könntet ihr vielleicht mit eurer Erfahrung eine kleine Richtung vorgeben? Sonst bin ich leider wirklich orientierungslos und die Zeit läuft davon.
Bin euch sehr dankbar!